„People in Sorrow“ ist und bleibt ein Meisterwerk kollektiver Improvisation
Das Album „People in Sorrow“ von Art Ensemble of Chicago setzte in den 1960ern neue Maßstäbe für die Kollektivimprovisation. Jetzt wurde es wiederveröffentlicht.
Es war im Umsturzjahr 1968, als der in Paris lebende Jazz-Schlagzeuger Claude Delcloo einen Brief an die drei Jahre zuvor ins Leben gerufene Chicagoer Musikervereinigung AACM – Association of the Advancement of Creative Musicians – schrieb.
In seinem Schreiben an die gemeinnützige Organisation betonte der französische Künstler ausdrücklich seine Begeisterung die er für die neue Musik aus der drittgrößten Stadt der USA empfand: Von den Mitgliedern der AACM kam ein Sound, der Jazz um Elemente der zeitgenössischen Komposition und Avantgarde erweiterte und zugleich auf neue Klang- und Performanceaspekte wie Rezitation, Kostüme und rituelle Gesichtsbemalung setzte. Schließlich, so schloss Delcloo seinen Brief, würde er die Künstler nur zu gerne für Konzerte in Paris und in Europa vermitteln.
Im Zuge der Studentenrevolte 1968 gab es auch in Frankreich Proteste gegen den Vietnamkrieg und es kam zu Solidaritätsbekundungen für die US-Bürgerrechtsbewegung. In Chicago hatten es zur selben Zeit Schwarze Musiker schwer, denn es gab kaum noch lukrative Auftrittsmöglichkeiten für experimentelle Musik. So beschlossen vier junge Musiker der AACM, die bis dahin als Roscoe Mitchell Art Ensemble firmiert hatten, sich auf den Weg nach Paris zu machen.
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