Wednesday, June 27, 2012

FolkartNOW bespricht Said My Say von Floating di Morel

Floating di Morel - Said My Say

Die dunkle Seite der Psychedelic hat über die Jahrzehnte seit Velvet Underground oder Skip Spence nichts an Faszination auf Menschen mit Haltung und LoFi-Ausrüstung verloren. Das Berliner Trio Floating Di Morel hat, wie einst die 39 Clocks, diese Art von 60s-Coolness, ohne viel Aufhebens aus der Retro-Grube befreit. In den 80ern gab es eine Retro-Psychedelic-Bewegung, die das New-Wave-Cool - zackige Elektronik ohne Emotionalität - mit dem 60s-Noir-Cool - schleifende Gitarren ohne Emotionalität - mit Flohmarktorgeln und Rhythmusmachinen kurzschloss. Floating Di Morel machen da weiter und klingen mit ihrem hypnotisch-minimalistischem Psycho-Beat zeitlos entrückt. 


http://www.folk-artnow.de/kuenstler/morel.html

Monopol Magazin über Franco's Settlers und Daniel Richter


Monopol Magazin 07/2012

Schöner wohnen mit Franco

Fast hätte Daniel Richter vor Franco kapituliert. Zu "weich und konturlos" seien die Züge des Generals, als dass man ihn zeichnen könne, sagte der Künstler - und fertigte stattdessen Collagen nach Fotos des bei seinem Tod 1975 dienstältesten faschistischen Diktators an. Nun soll die Kunst für einen guten Zweck verkauft werden (die vierteilige Edition kostet 1000 Euro, einzelne Siebdrucke je 300 Euro). Grund der Hilfsaktion: Eine Filmdokumentation der Berliner Regisseure Lucía Palacios und Dietmar Post droht in der Postproduktion stecken zu bleiben, 60000 Euro fehlen den Filmemachern. Nicht zuletzt der Rechtsruck in Spanien macht den beiden Grimme-Preisträgern zu schaffen, denn ihr Thema kratzt am Lack der jungen Demokratie: Das Projekt "Die Siedler Francos" dreht sich um eine Reihe künstlicher Dörfer, die im Auftrag Francos in Spanien gebaut wurden. Das Vorhaben, aus dem Land einen autarken Agrarstaat zu machen, scheiterte. Palacios und Post fokussieren auf die 1955 geschaffene Siedlung Llanos del Caudillo, dort sind inzwischen Akten aufgetaucht, die belegen, wie die Siedler von Llanos von faschistischen Funktionären um Erntegewinne gebracht wurden. Die Crowdfunding-Kampagne und der Verkauf der Richter-Collagen finden bis 12. Juli auf www.lanzanos.com/proyectos/loscolonosdelcaudillo statt. jh

Weitere Informationen: www.playloud.org




Monday, June 11, 2012

Costa Blanca Nachrichten über "Franco's Settlers"





Freitag, 8. Juni 2012
Dorf ohne Geschichte

Llanos del Caudillo war Teil eines Siedlungsprojekts von Franco – Filmemacher Post und Palacios haben die Gemeinde besucht

Spuren der Vergangenheit: die Gründungssiedler María Arenas und Wenceslao Chamero mit alten Fotos aus Llanos del Caudillo. Foto: Play Loud Productions (2)







Bettina Hauser

Wenn Llanos del Caudillo in den vergangenen Jahren bekannt geworden ist, dann wegen seines Namens. Das Dorf in La Mancha erinnert bis heute an den Diktator Francisco Franco, kurz „El Caudillo“ (dt. Der Führer) genannt. Gegründet wurde es in den 1950er Jahren als Teil eines riesigen Siedlungsprojekts des Regimes, das mehr als 300 Gemeinden umfasste. Während andere Ortschaften ihren kritischen Beinamen längst abgelegt haben, bleibt Llanos del Caudillo seiner Geschichte treu.
Der deutsche Dokumentarfilmer Dietmar Post hat sich in dem Streifen „Franco’s Settlers“ gemeinsam mit seiner spanischen Partnerin Lucía Palacios auf die Spuren jenes Dorfes begeben. Im CBN-Interview erzählt der 49-Jährige, was sich hinter dem Ortsnamen verbirgt und warum nicht alle Anwohner gerne über ihre Vergangenheit sprechen wollten.



http://www.costanachrichten.com/content/view/21753/83/










Saturday, June 9, 2012

Die Taz über "Franco's Settlers"

  
TAZ - Die Tageszeitung, Berlin 9. Juni 2012

Siebdrucke für Spaniens Aufklärung

DANIEL RICHTER UNTERSTÜTZT FRANCO-DOKU
Hochebenen des Führers
Der renommierte Künstler Daniel Richter unterstützt ein Filmprojekt zur Geschichte der Franco-Diktatur in Spanien. 300 Siedlungen hatten die Faschisten gegründet.
VON ANDREAS FANIZADEH

In der Tradition von Punk, Dada, Popart und John Heartfield: Diktator Franco, wie Daniel Richter ihn sieht.  Bild:  Daniel Richter/VG-Bildkunst


Seine Gesichtszüge sind so weich und konturlos, dass es echt schwierig ist, ihn zu zeichnen, sagt Daniel Richter. Er spricht über das Antlitz Francisco Francos, des Ausdauerndsten unter den faschistischen Führern des letzten Jahrhunderts. Der General hatte sich 1936 gegen die Spanische Republik erhoben und nach einem dreijährigen, erbittert geführten Bürgerkrieg 1939 die Macht ergriffen. Bis zu seinem Tod 1975 sollte er Spanien diktatorisch beherrschen.
Daniel Richter hat die Absicht, Franco zu zeichnen, schließlich verworfen, stattdessen alte Fotoaufnahmen des Caudillo verfremdet. Entstanden ist so eine vierteilige Serie von Franco-Collagen, die der Künstler in limitierten Auflagen von jeweils 50 Exemplaren zu 300 Euro das Stück vertreiben lässt. Das ist günstig, ein richtiger Volks-Richter. Der 49-Jährige zählt zu den berühmtesten und teuersten Künstlern seiner Generation.

Richter unterstützt mit der Franco-Serie das Dokumentar-Filmprojekt „Franco’s Settlers. Los Colonos del Caudillo“ der beiden in Berlin lebenden Regisseure Lucía Palacios und Dietmar Post. Beide hatten sich bereits mit dem Dokumentarfilm „Monks – The Transatlantic Feedback“ einen Namen gemacht, die Produktion wurde 2008 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. The Monks (die Mönche), waren eine wilde Beat-Band der 1960er Jahre, gegründet von amerikanisches G.I.s in Gelnhausen, Hessen. Wie kommt man von der Subkulturforschung, der Vorphase des Punks, zur Filmrecherche der franquistischen Siedlungsbewegung in Spanien?
Durch persönliches Interesse, sagt Post. Er und Lucía Palacios lernten sich in den 1990er Jahren beim Studium in New York kennen. Als sie 1999 Palacios Eltern in der zentralspanischen Provinz Kastilien-La Mancha besuchten, reisten sie auch durch das Dorf Llanos del Caudillo, zu Deutsch: Hochebenen des Führers.

Demokratie versus Amnesie
Post und Palacios begannen zu recherchieren und fanden Ungewöhnliches heraus, über das in Spanien eigentlich bis heute nicht gern geredet wird. Schließlich beruht der weitgehend friedliche Übergang zur Demokratie nach Francos Tod 1975 auf der unausgesprochenen, aber ehern eingehaltenen Verabredung: Demokratie versus Amnesie.
Linke und Demokraten bekamen ihre Republik zurück, im Gegenzug wurde die franquistische Rechte ins neue System integriert, die verbrecherische Vergangenheit blieb unangetastet. Franco-Statuen blieben oftmals stehen und Städtchen wie Llanos del Caudillo heißen halt noch immer so.

Ermittlungsrichter Baltasar Garzón versuchte gegen diesen aus der Transición, der Übergangsphase des Franquismus zur Demokratie, stammenden Konsens in Spanien 2008 juristisch zu intervenieren. Der seit der Pinochet-Anklage weltweit bekannte Jurist eröffnete ein Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen hohe Entscheidungsträger des Franco-Regimes.
Beweise für Massenmorde Er ließ auch neunzehn Massengräber aus der Frühphase des Franquismus öffnen, um Beweise für begangene Massenmorde zu sichern. Garzón wurde jedoch seinerseits wegen Rechtsbeugung angeklagt, seiner Ämter enthoben und im Februar 2012 mit einem elfjährigen Berufsverbot belegt. Der 1955 Geborene wird allenfalls als Pensionist noch einmal in Spanien beruflich aktiv werden.
1955 war auch das Geburtsjahr der Siedlung Llanos del Caudillo. Faschistisches Landwirtschaftsministerium und Siedlungsinstitut suchten so landlose Arbeiter zu treuen Parteigängern des Franquismus und als Pachtbauern zu Vasallen staatlich gelenkter Wirtschaftspolitik zu machen. Llanos del Caudillo hat heute keine tausend Einwohner, Post und Palacios haben mit vielen, vor allen der älteren Einwohner gesprochen. Sie erinnern an Blockwart und Spitzelwesen, andere stehen bis heute treu zur Sache. Doch beim Umbau eines Hühnerstalls waren zuletzt tausende Akten aufgetaucht, die die Wahrheit über die Ankunft der Siedler in Llanos erzählen. Auch mit welch bürokratischer Akribie sie von den faschistischen Funktionären um ihre Erntegewinne gebracht wurden und wie das gesamte Projekt, aus Franco-Spanien einen autarken landwirtschaftlichen Staat zu machen, schließlich scheiterte.

Palacios und Post haben Unmengen alter Film- und Fotoaufnahmen gesichtet und in ihren Dokumentarfilm eingearbeitet, auch Interviews mit ehemals hochrangigen Falange-Kadern geführt oder sich mit Felipe Gonzáles, dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten der Übergangsjahre, getroffen. Ihr Film kommentiert zurückhaltend, lässt lieber Protagonisten und Material sprechen. Eine überzeugende Methode.

„Franco’s Settlers“ könnte im Kleinen ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung des Franquismus werden, sofern auch Dank der Collagen von Daniel Richter die benötigten 60.000 Euro für die Postproduktion zusammenkommen, damit der Film auf Festivals wie in San Sebastián nächstes Jahr gezeigt werden kann.

■ Crowdfunding-Kampagne und Verkauf von Daniel Richters Collagen bis 12. Juli über: www.lanzanos.com/proyectos/loscolonosdelcaudillo/
■ Weitere Informationen: www.playloud.org/films.html. Am 30. Juni Paella mit Herrn Richter im Wowsville, Berlin-Kreuzberg

Zum TAZ-Artikel


Saturday, June 2, 2012

Der Tagesspiegel schreibt über "Die Siedler Francos"


Kultur  

Die Siedler


Daniel Richter fördert Filmprojekt mit einer Edition


Es ist nicht unbedingt ein typisches Motiv für Daniel Richter, hat aber mit dem Filmprojekt zu tun, das der begehrte und teuerste Künstler seiner Generation unterstützt. „Die Siedler Francos“, eine ambitionierte Dokumentation der Berliner Regisseure Lucía Palacios und Dietmar Post, handelt von jenen künstlichen Dörfern, die während Francos Regime in Spanien entstanden. Die Menschen dort sollten fern aller intellektuellen Verführungen ein bäuerliches, dem Diktator gewidmetes Leben führen.
Bis heute existiert ein solches Retortendorf, von dem der 110-minütige Film handelt – wenn er denn fertig wird. Die beiden Grimme-Preisträger kämpfen aktuell sowohl mit den Widrigkeiten der Filmförderung als auch mit den neuen politischen Verhältnisse in Spanien.
Aus diesem Grund fördert Daniel Richter den Film mit einer vierteiligen Edition, die auf 50 nummerierte und signierte Schwarz-Weiß-Siebdrucke pro Motiv beschränkt ist. Jede Arbeit kostet 300 Euro, für die gesamte Serie sind 1000 Euro zu bezahlen – ein Preis, der schon mehrere Museen und Sammler gelockt hat. Die Aktion läuft bis zum 12. Juli, sehen kann man die Blätter auf einer Fundraiser-Party am 30. Juni im Wowsville (Ohlauer Straße 33, ab 19 Uhr). Mehr Informationen gibt es auf der Website www.lanzanos.com, auf der sich Richters Edition auch bestellen lässt. cmx

http://www.tagesspiegel.de/kultur/die-siedler/6701604.html