Tuesday, January 8, 2019

Kameramann Michael Tötter über FRANCO VOR GERICHT: 


Mit dem Film „Franco vor Gericht (Franco on Trial)“ ist den Filmemachern Lucía Palacios und Dietmar Post ein bemerkenswertes Stück zur politischen Aufklärung gelungen. Die Aufarbeitung der argentinischen Richterin zur Anklageschrift gegen Repräsentanten des Franco Regimes und ihrer Gräueltaten wird lückenlos dokumentiert. Die Gespräche mit Klägern, Forensikern, Angehörigen von Opfern und Tätern bindet der Film durch Originalfotos und Filmmaterial in eine Chronik des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur ein. Dadurch erhält auch ein Betrachter ohne detaillierte Geschichtskenntnisse eine Vorstellung davon, wie sehr die Franco-Diktatur und die Zeit nach 1975 die Menschen in unserem Lieblingsreiseland bis in die heutige Zeit hinein spaltet. Im Nachkriegsdeutschland wurde das bis in die 70er Jahre, sogar bis heute, nicht wahrgenommen, wie ein geschickt eingefügtes Interview mit Konrad Adenauer zeigt.
Originalfilmmaterial, mit Sachverstand kommentiert, schafft ein klares Bild von Deutschlands entscheidender Rolle für die Niederschlagung der spanischen Republik 1939 sowie eine Darstellung der Unterdrückung bis in die 80er Jahre. Eine Landkarte der Massengräber aus dem Bürgerkrieg und der Zeit danach, die in einer unvorstellbaren Dichte ganz Spanien überzieht, hat mich zutiefst berührt und sehr traurig gemacht.

Nach diesem Film konnte ich erstmals erahnen, dass der Weg zu Gerechtigkeit, Aufklärung und Versöhnung für die Spanier noch ein langer sein wird. Die Kamera lässt den Protagonisten den notwendigen Raum und die natürliche Lichtführung gibt dem Film ein authentisches visuelles Erscheinungsbild. Durch die klare, nicht mit Effekten überfrachtete Tongestaltung bleibt die Konzentration des Zuschauers bis zum Ende erhalten.

Ich danke Lucía Palacios und Dietmar Post für die couragierte Arbeit und hoffe, dass Sie an diesem Thema weiter arbeiten.
Michael Tötter, Kameramann (BVK), www.toetter.de