Wednesday, October 12, 2011

Floating di Morel review in Skug Magazine

 

Nach Doc Schoko sind Floating Di Morel (FDM), die seit immerhin 16 Jahren existieren, die zweite Band auf play loud!, die mir bis jetzt gänzlich unbekannt war. Beim label play loud!, das übrigens auch den Backkatalog der Monks betreut, handelt es sich um ein ausgesprochenes Liebhaber-Label, das einiges nur als Download anbietet, laut Label-Info wird aber bei über 50 Vorbestellungen für ein bestimmtes Werk die Produktion auf Vinyl oder CD gestartet. Wenn das keine kleinstrukturelle Betreuung ist, was dann? Bei FDM, der neben den 39 Clocks vielleicht interessantesten Psychedelic-Rock’n’Roll-Band Deutschlands, wird die Nachfrage nicht so gering sein: Die beiden Ex-PLOs Kai Drewitz (Gesang) und Sabine Blödorn (Tasten, Rhythmusmaschine) und dem erst später zur Band gestoßenen Thorsten Neu (Gitarre, Diverses) präsentieren mit »Said My Say« eine seltsam aus der Zeit gefallene Produktion. Drewitzens‘ markanter, näselnder (oft rezitativer) Gesang erinnert tatsächlich an den Lou Reed der frühen Velvet Underground, dem auch ein gewisser snobistischer, elitärer und artifizieller Unterton anhaftet – womit die Platte (Vinyl-Release) schon mal einen Anker ins Unbewusste des Hörers/der Hörerin setzt. Eingebettet wird diese »ätzende Vokalspur« meist in maschinelle Rhythmen aus dem Suicide-Museum, Gitarre, Keyboards, Stylofon, Trompete und noch so manch anderen schwer zu identifizierenden Klangerzeuger. Es ist nicht einfach, bestimmte Stücke hervorzuheben, eventuell das von Sabine Blödorn (die sich auch in anderen Songs gesanglich beteiligt) gesungene bzw. eher gesprochene »It Has Gone Well«, das gegen Ende den Flow des Albums vor der totalen Einlullung nochmal angenehm unterbricht. Trotz der grundlegenden maschinellen Strenge wird hier atmosphärisch doch eine erstaunliche Leichtigkeit transportiert, die eine oder andere Akustikgitarrenspur (12-saitig) hätte man aber vielleicht doch besser weglassen sollen. In einem Online-Video kann man Sabine Blödorn dabei zusehen, wie sie an einer Uraltmaschine manuell, mit riesigen Holztasten den Rhythmus vorgibt, und dabei wird klar, dass selbst der Geist aus der Maschine von einem Menschen aus Fleisch und Blut in Echtzeit gesteuert wird. Etwas versponnen, aber sympathisch ist dieses Trio. Nur was bedeutet eigentlich Floating Di Morel?

Text: Stefan Koroschetz | 01.09.2011

Article in Skug Magazine (German)

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